Mittwoch, 18. Mai 2011

Die Heiligkeit zum Schein

Warum sind wir oft von Menschen beeindruckt, die anderen Gutes tun, sich hingeben, ihr Leben anderen Menschen widmen... wie Mutter Teresa vielleicht? Herausragende Leistung am Nächsten!
Würden wir auch noch so bewundernd "große" Menschen in den Himmel heben, wenn Nächstenliebe zur Selbstverständlichkeit werden würde???
Müsste sie es nicht eigentlich sein?
Wo sind denn unsere "heiligen" Christen hin, die immer in die Gemeinde rennen und uns die Gebote um die Ohren schlagen?
Wo sind die, die uns den Glauben absprechen, weil wir selbstständig denken?
Wo sind die, die mir sagen, wie Gott mich geschaffen hat?
Kann ich nicht selber in den Spiegel gucken, um mir das Ebenbild Gottes anzusehen?

Bedeutet Christsein Sonntags im Gottesdienst sitzen und sich besser zu fühlen als andere Menschen? Möglichst heilig sein, die Kinder auf eine gute Schule schicken, ein tolles Haus haben und immer schön fromm lächeln?
Ich dachte nicht, aber vielleicht habe ich mich auch geirrt.
Ich dachte Christ benennt sich der Nachfolger Christi.
Dem Menschen neben mir begegnen, wie Jesus es vorgemacht hat.
Liebe verschenken.
Grenzen überwinden.
Einander sehen.

Traurig wieviele einsame Menschen es in den Reihen der "Gemeinde" gibt. Der Deckmantel der Heiligkeit verschleiert leider manchmal den Blick dafür...


Der alte Mann setzt sich auf eine Wolke.
Einmal nur im Leben, die Dinge von Oben betrachten. Perspektivenwechsel.
Der alte Mann lebt wohl nicht mehr sehr lange. Also besser jetzt als nie.

Was beginnt Er wohl zu sehen?
Wie grün sind die Wälder und die Wiesen, wie unterschiedlich die Bäume.
Und das tiefe Blau des Wassers. Die Vielfalt der Blumen.
Ist die Erde wirklich so schön?

Was hat den Alten so übersehend gemacht?
Er ging doch immer in den Gottesdienst. Das liebe Geld???
Manch einer wagte zu meinen, er müsse dran ersticken.
Dass sein Geiz und seine Gier ihn nicht schon längst umgebracht haben…

Unten spielen Kinder, sie lachen und sie tanzen.
Welche Freude, dieser Anblick.
Können Kinder wirklich so glücklich sein?

Was hat den Alten so übersehend gemacht?
Er las doch immer seine Morgenandacht.
Immer die Zeitung zuzuklappen, wenn man um Hilfe für Kinder in Not bittet???
Wegzuhören, wenn man Nachrichten über eine Umweltkatastrophe hört, die viele Menschenleben fordert?

Was hat den Alten so übersehend gemacht?
Er betete doch immer vor dem Essen.
Das große Haus, was auf dem eingezäunten Anwesen in bester Wohngegend liegt?
Die Garage mit den sieben seltenen, teuren Autos drin?

Waren da nie Asylanten in seiner Stadt? Saß nie ein Obdachloser dort, wo er vorbei ging?
Las man nicht von hunderten neuen Drogentoten im eigenen Land?
Von misshandelten Kindern? Von abgeschobenen Alten und vereinsamten Singles?
Gab es in seiner Nähe nie ein Gefängnis?
Er selber sagte doch immer von sich, er sei ein guter Christ.
Habe ich das etwa behauptet?

Was nützt all das “Wohlfühl-Christsein“, wenn man am Ende seines Lebens ankommt und merkt, dass man doch am Ziel vorbeigerannt ist?
Wenn man wie der alte Mann erkennen muss, dass es zu spät ist etwas zu tun?

Wenn man auch nie die Freude und Schönheit in der Schöpfung entdecken konnte?
Wenn man nie den Reichtum erleben durfte, den man von Gott selbst geschenkt bekommt, wenn man seinen Nächsten nicht übersieht.

Jetzt ist der alte Mann erschrocken und liegt Tod auf seiner Wolke...

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