Freitag, 15. Juli 2011

Am Ende alles anders als gedacht...

In Somalia verhungern die Menschen, in Syrien tobt der Straßenkrieg, Lybien erkennt "Rebellen" als Regierung an und und und... Meldungen die betroffen machen.

...ich kann mir mache Bilder nicht endlos in den Nachrichten anschauen. Nicht, weil ich mich dem entziehen will, auch nicht weil ich so tun will, als ob es mich nichts angeht, aber eben weil es mir meine eigene Unfähigkeit, teilweise auch Ohnmacht vor Augen malt.

Das Leben geht weiter, denken wir uns.
Wie schön, wenn Afrikas Kinder verhungern, solange ich noch über Zahnschmerzen, einen geplatzten Berlinbesuch, einen langweiligen Abend und skurille Gedanken jammern kann. Wenigstens das haben wir nicht verlernt: Das Unzufriedensein mit dem, was wir nicht haben (oder im Fall der Zahnschmerzen eben haben)!!! Welch ein Trauerspiel...

Ja, ...natürlich geht das Leben weiter und natürlich wäre niemandem damit geholfen, wenn ich mich in Sack und Asche kleide und so täte, als sei ich diejenige, die auf Syriens Straßen erschossen wird.

Aber rechtfertigt das die kühle Ignoranz, die ich zu oft an den Tag lege?

Manchmal geht es mir zu gut.
Dann wirkt alles, was auch nur annähernd mit Leid gefüllt ist nicht wirklich. Die Realität füllt meinen Bauch, wie könnten denn da Kinder verhungern?
Manchmal ist es aber auch die Ohnmacht. Die Angst nichts bewegen zu können. Wenn ich mich meiner Hilflosigkeit nicht aussetzten will, beschäftige ich mich am Besten gar nicht erst mit den hunderten von Menschen, die bei Straßenprotesten in fernen Ländern dem Feuer zum Opfer fallen... Schicken wir Deutsche, lieber noch ein paar Panzer in die Welt. Wer weiß, wofür die noch gut sind...

Wohl kaum werde ich etwas verändern, wenn ich mich interessiere, wenn ich mir eingestehe hilflos zu sein, wenn ich für meinen Nächsten bete...aber wer sagt mir das denn?
Was ist wenn ich doch den Unterschied mache? Wieso behaupte ich ohnmächtig zu sein, wenn ich es noch nicht einmal wage, die globale Armut in den Blick zu nehmen? Wenn ich noch nicht einmal versuche, an meinem letzten Hemd die Taschen zu finden?

Wie dumm wir Menschen manchmal sind, verpulvern unser Potenzial ohne mit der Wimper zu zucken.
Wenn wir es schaffen, unsern Hintern hoch zu bekommen, uns nicht nur in unser gemachtes Bettchen schmeißen, werden wir uns wundern, was für eine Kraft zum Welten bewegen wir doch besitzen.


Wenn du dich mit einem Kaffee zu dem Obdachlosen an der Ecke setzt, wenn du das drogenabhängige Mädchen mal in den Arm nimmst, wenn du dir die Geschichten des einsamen alten Mannes anhörst,wenn du dir Gedanken über Strukturen unserer Gesellschaft machst, wenn du dir das Ausmaß des kleinen Wörtchen "Hunger" bewusst machst, dann kommt am Ende alles anders als gedacht...

"Das einzige, was die Armut beseitigen kann, ist miteinander zu teilen."
(Mutter Teresa)

Du sollst leben, ja.
Aber bei allem was du tust, vergiss nie, dass auch du nur ein verschwindend geringer Teil dieser Welt bist. Und es ist nicht dein Verdienst, dass du gerade nicht einer der hungernden Menschen Afrikas bist!

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