Mittwoch, 7. Dezember 2011

Amerikanische Kriegspolitik und warum meine Kinder nicht mit deinen Kindern spielen sollen...

Vorweg: Seit anderthalb Wochen bin ich wieder zurück in Marburg...

Heute Morgen hatten wir am Bibs Besuch aus Amerika. Ein wirklich kluger junger Mensch der mir, mit seinen ebenso klugen Denkanstößen, den heutigen Tag gefüllt hat.

Auf die Frage, was er in Deutschland macht, gab es lediglich folgende Antwort:
"I'm just hanging around with people and share some Moments and experiences. I´m learning about history and have some talks."
Spannend sich die Zeit zu nehmen, Menschen kennenzulernen, Kulturen und Geschichten zu erleben und auf sich wirken zu lassen. Ich weiß gar nicht, wann ich mir ganz bewusst das Letzte mal die Zeit dafür genommen habe? Hhm...
Zeit einfach nur mit Menschen rumzuhängen, ohne Erwartungen, ohne Anstrengungen ...just hanging around...


Wir hatten also das Vorrecht, diesen "rumhängenden" Menschen (bitte nicht zu verwechseln, mit sinnlosem Abhängen) bei uns am Bibs zu haben und Ihn mit unseren bunten Fragen löchern zu dürfen.


Was uns als Christen ja immer relativ schnell in den Sinn kommt, wenn wir an Amerika denken, ist die Frage nach der globalen Politik dieses mächtigen Kontinents. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass einer meiner lieben Mitstudierenden relativ schnell zu der Frage kam, wie unser Gast denn dazu stehen würde, dass das amerikanische Oberhaupt tausende von Soldaten in die Welt sendet (siehe Afghanistan etc.) und "versucht" dort Politik zu machen. Die Antwort auf diese Frage fand ich gelungen, aber eigentlich war es auch gar keine Antwort, vielmehr eine Gegenfrage:
"Steht Ihr 100% und ohne auch nur den jeglichsten Zweifel hinter dem, was eure deutsche Regierung entscheidet? Wirklich ausnahmslos hinter allem?"
Ich für meine Wenigkeit, kann das nicht ohne weiteres bejahen. Aber warum maße ich mir dann an, die Regierung eines anderen Landes zu kritisieren?
Sollte ich nicht erst einmal hier anfangen? Dabei geht es auch keinstenfalls um bloßes kritisieren, sondern um die Frage, wie ich vielleicht etwas dazu beitragen kann, dass Dinge sich verändern.
Politisches Engagement würde auch uns jungen Leuten ganz gut stehen. Es schreien doch immer alle nach Veränderung...
Ich hatte nicht den Eindruck, heute Morgen einen verkorksten amerikanischen Patrioten vor mir zu haben, sondern ernsthaft jemanden, der sich Gedanken macht, der Träume hat, der Visionen und Ideen hat und noch dabei ist, Wege zu finden diese Visionen und Ideen zu leben.
Haben wir eigentlich noch Träume und Visionen?

Aus dem weiterem Gespräch mit unserem Gast entstanden gute Gedanken zu unserer nicht offiziellen, aber spürbaren "Mehr-Klassen-Gesellschaft", die es in Deutschland ebenso wie auch in Amerika gibt. Die Frage die mich dabei beschäftigt, ist warum wir Klassenunterschiede selbst mit in die Gemeinden und Kirchen tragen.

Als ich 2006 in Indien gelebt habe, hat mich das erschrocken, dass es Gemeinden für reiche und Gemeinden für arme Menschen gibt. Mischung ist da undenkbar. Erschreckend, dass etwas was so tief in dem Denken einer Kultur verankert ist, bis in die Reihen der doch allzu liebevollen Christen reicht.
"Gut dass das in Deutschland anders ist", dachte ich damals, aber nach meiner Rückkehr durfte ich doch eines Besseren gelehrt werden:
Wieso ist es noch mal so, dass es viele besondere soziale Projekte in Gemeinden gibt, die sich um Menschen aus Randgruppen kümmern, die aber bitte nicht in das Regelprogram der Gemeinde eingeladen werden?
Ach ja, meine Kinder sollen ja nicht mit den ungezogenen Kindern aus dem Hochhaus mit den Alkoholiker-Familien spielen. Der Umgang könnte meine lieben christlich sozialisierten Kinderchen verderben. Also mache ich doch lieber ein eigenes Programm für diese Lausebengel, dann sehen sie auch nicht dass es heile Familien gibt.


Vieles wird im Namen Gottes gemacht, was Gott sicherlich manchmal dazu bewegt, über eine Namensänderung nachzudenken.
Ob der Krieg von Seiten Amerikas, der hundert Soldaten im Namen Gottes in den Krieg schickt oder die Ausgrenzung eines Obdachlosen hier in Deutschland der seit drei Wochen nicht mehr geduscht hat, durch ein schönes Mittagessen Mittwochs in der Gemeinde, extra für Menschen von der Straße. Dann kommt er wenigstens nicht so stinkend wie er ist, sonntags in den Gottesdienst.
Ich stelle das Ganze natürlich etwas überspitz dar, aber versuche auch nur aufzumalen, dass halt doch nicht alles Gold ist, was glänzt.
Aber im Gegenzug dazu die andere Seite, auch die hat unser amerikanischer Gast heute Morgen angesprochen: Was ist mit den guten Dingen, die ich im Namen Gottes tue?
Müssen wir von uns betonen, wie viel Gutes wir tun? Wie außerordentlich toll wir im Praktizieren der Nächstenliebe sind?
Steht nicht in der Bibel, die eine Hand soll nicht wissen, was die andere tut?

Es geht am Ende doch immer wieder um die Herzenshaltung, die Motivation Dinge
anzupacken und meine Identität als Christ. So werden die Nächstenliebe und das Vorbild Jesu zu unserem Antrieb. Wenn ich mir diese Punkte bewusst mache, kann ich Liebe üben, soziale Ungerechtigkeit bekämpfen und verändernd in unsere Gesellschaft hineinwirken.

Und das ist doch das, was wir alle wollen, oder?



Quelle Fotos: http://openphoto.net/gallery/image.html?image_id=6156
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