Freitag, 25. November 2011

Entschuldigung, darf ich um ihre Aufmerksamkeit bitten...

...ich habe leider keine Arbeit und lebe auf der Straße. Es wäre sehr schön, wenn sie noch etwas Kleingeld für die Notunterkunft heute Nacht haben. Aber ich nehme auch gerne direkt etwas zu Essen...

So, oder so ähnlich, wird man in nahezu allen U- & S-Bahnen Berlins mit dem Elend mancher (vieler!) Menschen konfrontiert.
An dieser Stelle verbiete ich mir Sätze wie: "Das ist der doch selber schuld. Der ist doch nur Säufer. Wer arbeiten will, kann auch arbeiten usw."

Ich kann es nicht mehr hören... und trotzdem, auch ich merke wie ich immer öfter versuche, dem erbarmungslosen "nicht-schon-wieder-Gefühl" Raum zu geben. Auch ich bin gut darin stur in meinem Buch zu versinken, aus dem Fenster zu blicken, meinen MP3-Player lauter zu drehen! Also bin ich manchmal doch schon wie einer von denen, die ich nie werden wollte. Ein Ignorant! Ein Egoist! Ein Aufgeber! Gut, dass es so bequem ist, wenn man nicht hinsehen muss. Aber wenn man sich in den Bahnen umschaut, scheint es ja auch ganz schön zu sein, ein ignoranter Egoist zu sein. Oder?

Sorry, ich will hier niemandem auf die Füße treten, aber ich frage mich manchmal, was aus den ehrlich gutgemeinten Weltveränderern geworden ist, mich eingeschlossen!

Okay, ich kann definitiv nicht jedem Menschen mein Geld in den Becher werfen, aber darum geht es hier ja auch in keinster Weise.
Erst mal fängt es doch damit an, dass ich überhaupt von Menschen spreche! Und zwar meines Menschseins gleichwertig. Ich bin weder besser noch schlechter! Eben gleich. Mit dieser Einstellung möchte ich mein Gegenüber wahrnehmen. Ich nehme der Überheblichkeit, den Wind aus dem Segel.
Ich schaffe es Liebe lebendig werden zu lassen. Das ist aber auch immer eine Entscheidung! Meine Dozentin hat mal gesagt (immer wieder zitiere ich sie gerne): "Liebe kann man nur mit Liebe fördern!"
Das gilt auch für die Selbstliebe. Also wenn ich einem Menschen helfen möchte, dass er sich selber liebt und achtet, muss ich Ihm helfen, Liebe zu etwas Wirklichem werden zu lassen. Das geht aber nicht nur theoretisch! Das heißt ich muss meinen bequemen Sessel mal wieder verlassen und tätig werden... lieben eben!

Ich habe gestern Abend mit einem Freund telefoniert, der hat mir den Vorschlag gemacht, mir anzugewöhnen immer einen Schokoriegel in der Tasche zum Verschenken zu haben. Finde ich gut!
Wenn ich es dann noch schaffe den Riegel meinem Gegenüber nicht nur lieblos in den Becher zu werfen, sondern auch noch ein paar (ehrlich gemeinte!) liebevolle Worte und ein Lächeln übrig habe, dann habe ich kapiert, was Nächstenliebe meint.

Am Ende werden auch wir beschenkt aus der Begegnung herausgehen.
Versucht es doch mal!


Quelle Foto: http://openphoto.net/gallery/image.html?image_id=14883&hints

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