Samstag, 6. Oktober 2012

Viel Neues und der Schritt zu einer Kultur der Mitmenschlichkeit

Viel zu lange habe Ich mich nun nicht mehr gemeldet.
Nicht, dass es mir an kreativen Gedanken, inspirierenden und bewegenden Begegnungen mangeln würde, oder mein Leben sonst wie eingeschlafen wäre - nein das nicht.
Aber ganz im Gegenteil, mein Leben war die letzten Monate sehr aktiv, voller Veränderung und mit lauter Neuem bestückt. Daneben gab es noch die nötigen Verpflichtungen des Lebens, wie Examensklausuren und Kolloquium. Ja, meine Zeit am Bibs hat sich dem Ende zugeneigt und ich bin über die Zielgerade gelaufen. Das Lernen, das Prägen, die Gemeinschaft, die Vision, die mich das Bibs die letzten Jahre gelehrt hat, all das fehlt mir - aber hat mein Leben bis hier hin bereichert und wird es auch weiterhin begleiten. Menschen, Worte und Gedanken, die das Herz erreicht haben, wird man so schnell nicht wieder los. Mit dem Abschied vom Bibs, gab es auch einen Abschied von Marburg. Zwar werde Ich über das kommende Jahr verteilt noch für vier Blockwochen am Bibs und somit auch in Marburg sein, aber es wird nicht mehr das Selbe sein. Die Gemeinschaft, das Leben teilen, das gegenseitige Prägen, ist für mich in eine neue Lebensphase übergegangen. Doch bin ich dem Bibs von Herzen dankbar für alles was es mich auf einer für mich sehr wichtigen Strecke meines Lebens gelehrt hat. Die Verbundenheit wird bleiben.

Gleichzeitig habe Ich einen neuen Platz, eine neue Aufgabe gefunden:
Frankfurt am Main!

Ich arbeite für mein Berufspraktikum in einer aufgeteilten Stelle in einer Einrichtung in einer der sozial benachteiligsten Stadtteile Frankfurts. Überwiegend arbeiten wir mit Familien aus dem Migrationshintergrund. Auf der einen Seite liegt meine Aufgabe in einer Kindertagesstätte, die sehr darum bemüht ist Kinder individuell zu fördern und in einem Resilienz-Projekt stark zu machen. Dabei wird ganzheitlich gearbeitet, das heißt die ganze Familie wird in den Blick genommen. Es gibt ein tägliches Elterncafé in dem Deutschkurse angeboten werden und Sozialberatung stattfindet.
Der andere Teil meiner Arbeit liegt in der aufsuchenden Jugendarbeit. Hier bieten wir ein offenes Angebot für die Jugendlichen aus der Umgebung an, aber auch Projekte und Ähnliches. Es gibt Kurse, wie Anti-Aggression-Übung, oder Bewerbungstraining.
Bei aller Herausforderung, macht die Arbeit mir sehr viel Freude - Ich habe ein tolles Team, bei dem ich von jedem Einzelnen viel lernen kann und selber auch mein Gelerntes weitergeben kann außerdem liebe Ich meine Kids, Ihre Familien und die Teens!
Seit erst zwei Monaten bin Ich nun hier, aber dennoch schon angekommen...
Auch in Frankfurt an für sich. Natürlich fehlen mir meine Freunde, die um die Ecke wohnen, mein Umfeld in der schönen Stadt Marburg usw. Frankfurt ist einfach riesig, aber ich liebe es! Die Größe, die Atmosphäre, die Vielfalt, die Farbe, das Bunte, das multi-kulturelle, die Menschen - das Leben!

Und doch schreit diese Stadt mich auch an, fordert mich heraus und hinterfragt mich:

"Denise, was willst Du leben? Wie willst Du sein? Wer willst Du sein? Hältst Du an Deiner Vision fest?"

Am Mittwoch, stand ich am Hauptbahnhof um mich mit Freunden zu treffen.


Ich war viel zu früh da. Dabei viel mein Blick auf eine alte Frau. Offensichtlich müde, langsam, einsam. Mit den Händen in den Taschen Ihres alten abgetragenen Mantels, schlurfte sie mit mühseligen langsamen Schritten zwischen den Massen an Menschen hin- und her. Es schien, als würde niemand sie bemerken, beachten. Ein kurzes Stück vor mir blieb sie stehen. So stand sie da mit gesenktem Blick zu Boden und wackelt leicht auf Ihren Beinen. Mein Herz gab mir den Impuls hinzugehen, sie anzusprechen, ihr ein Lächeln zu schenken. Ich wollte, aber ich konnte nicht. Hunderte Menschen pro Minute rennen ohne auch nur einen Gedanken an Mitmenschlichkeit zu verschwenden an dieser Frau vorbei und Ich stehe dort eine viertel Stunde wie gebannt vor Ihr und schaffe es sie nicht anzusprechen und Ihr Mitmenschlichkeit zu zeigen. Wie schlimm!
Auch Ich mache mich verantwortlich an dem sozialen Verfall unserer Gesellschafft, obwohl ich immer wieder predige das man Verantwortung wahrnehmen muss, Nächstenliebe üben muss. Nun bin ich offensichtlich zu einem Mittäter geworden.
Es wäre ein Einfaches gewesen, diese Frau anzusprechen, aber ich habe mich in meinem bequemen leben eingenistet:

"Nein, gleich kommen meine Freunde, wir wollen einen schönen Nachmittag miteinander verbringen. Was denken die anderen Menschen? Bloß nicht auffallen! Und und und..."

Aber so will ich nicht sein! Ich will aufstehen, kämpfen und echt sein - Einen Unterschied machen in dieser Welt! Können wir es nicht einfach gemeinsam tun? Uns gegenseitig ermutigen?
Ich habe mich geschämt. Ich schäme mich immer noch. Als ich mich später noch mal nach der Frau umgesehen habe, war sie leider weg. Zu spät!

Was wir uns bewusst machen sollten, ist das wir den Impulsen unseres Herzen folgen sollten. Das wir uns trauen sollten - das wir was verändern können!
Wie schön das wäre, wenn wir eine Kultur der Mitmenschlichkeit und Liebe in unserer Welt verwurzeln könnten.

Geht Ihr diesen Schritt mit???

Kommentare:

  1. Hey Nis, danke für deine wertvollen Gedanken :) John

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  2. Hey JoGo, Danke! Ich hoffe das den Gedanken Taten folgen - Ja, wie sehr ich mir wünsche tatsächlich Handelnde zu sein... Gruß in die Niederlande :-)

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