Samstag, 17. November 2012

Bekanntschaft mit Frederick


Heute möchte Ich euch jemanden ganz besonderes vorstellen: Frederick.

Frederick ist ein äußerst guter Freund von mir - seine Bekanntschaft machte Ich schon einige Jahre voraus, doch leider verloren wir uns aus den Augen. Es gab so manche Situation, wo er mir zwar vage in den Gedanken herumspukte, aber weg war er trotzdem.
Dank überaus glücklicher Umstände trafen wir uns vergangene Woche wieder. Und ich muss sagen, genau zur richtigen Zeit.
Ihr müsst wissen, Frederick besaß nämlich immer schon die Gabe, das Leben der Menschen um ihn herum bunt zu malen. Er hat das Talent, dies mit den einfachsten Mitteln zu tun und dabei die Menschen glücklich zu machen.
Bewundernswert.
Wohltuend.
Aber auch nachahmenswert.

Frederick wurde 1967 geboren und kommt eigentlich aus Amerika und Italien.
Frederick ist recht unscheinbar, sehr klein, zwar besonnen aber körperlich auch nicht der Aktivste. Frederick ist wie eine graue Maus.
Vielleicht liegt es in Wahrheit aber daran, dass er eine ist - Eine graue Maus.

Letzte Woche viel mir durch Zufall wieder das Kinderbuch von Leo Lionni in die Hände, was Ich aus meiner eigenen Kinderzeit noch vage in Erinnerung hatte. Ein wunderschönes Buch, das uns daran erinnert, dass die Schönheit im Leben immer zu finden ist und über die Oberflächlichkeit der Gesellschaft siegen kann.

Damit ihr Frederick kennenlernt, möchte ich euch nun seine Geschichte erzählen.

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Frederick
(von Leo Lionni)

Rund um die Wiese herum, wo Kühe und Pferde grasten,
stand eine alte Steinmauer.
In dieser Mauer - nahe bei Scheuer und Kornspeicher -
wohnte eine Familie schwatzhafter Feldmäuse.

Aber die Bauern waren weggezogen, Scheuer und Kornspeicher standen leer.
Und weil bald Winter wurde, begannen die kleinen Feldmäuse Körner, Nüsse, Weizen und Stroh zu sammeln.
Alle Mäuse arbeiteten Tag und Nacht.
Alle - bis auf Frederick.
"Frederick, warum arbeitest Du nicht?", fragten sie.
"Ich arbeite doch", sagte Frederick, "Ich sammle Sonnenstrahlen für die kalten, dunklen Wintertage."
Und als sie Frederick so dasitzen sahen, wie er auf die Wiese starrte, sagten sie: "Und nun, Frederick, was machst Du jetzt?"
"Ich sammle Farben", sagte er nun, "denn der Winter ist grau."
Und einmal sah es so aus, als sei Frederick halb eingeschlafen.
"Träumst Du, Frederick?", fragten sie vorwurfsvoll.
"Aber nein", sagte er, "ich sammle Wörter. Es gibt viele lange Wintertage - und dann wissen wir nicht mehr, worüber wir sprechen sollen."

Als nun der Winter kam und der erste Schnee fiel,
zogen sich die fünf kleinen Feldmäuse in ihr Versteck zwischen den Steinen zurück.
In der ersten Zeit gab es noch viel zu essen und die Mäuse erzählten sich Geschichten über singende Füchse und tanzende Katzen.
Da war die Mäusefamilie ganz glücklich!
Aber nach und nach waren fast alle Nüsse und Beeren aufgeknabbert, das Stroh war alle und an Körner konnten sie sich kaum noch erinnern.
Es war auf einmal sehr kalt zwischen den Steinen der alten Mauer und keiner wollte sprechen.
Da fiel ihnen plötzlich ein, wie Frederick von Sonnenstrahlen, Farbe und Wörtern gesprochen hatte. "Frederick", riefen sie, "was machen deine Vorräte?"
"Macht die Augen zu", sagte Frederick und kletterte auf einen großen Stein.
"Jetzt schicke ich euch die Sonnenstrahlen. Fühlt Ihr schon, wie warm sie sind?
Warm, schön und golden?"
Und während Frederick so von den Sonnenstrahlen erzählte, wurde den vier Mäusen schon viel wärmer.
Ob das Fredericks Stimme gemacht hatte? Oder war es ein Zauber?
"Und was ist mit den Farben, Frederick?" fragten sie aufgeregt.
"Macht wieder die Augen zu", sagte Frederick.
Und als er von blauen Kornblumen und roten Mohnblumen im gelben Kornfeld und von grünen Blättern am Beerenbusch erzählte, da sahen sie die Farben so klar vor sich, als wären sie aufgemalt in ihren kleinen Mäuseköpfen.
"Und die Wörter, Frederick?"
Frederick räusperte sich, wartete einen Augenblick und dann sprach er wie von einer Bühne herab:

"Wer streut die Schneeflocken? Wer schmilzt das Eis?
Wer macht lautes Wetter? Wer macht es leis?
Wer bringt den Glücksklee im Juni heran?
Wer verdunkelt den Tag? Wer zündet die Mondlampe an?
Vier kleine Feldmäuse wie du und ich
wohnen im Himmel und denken an dich.
Die erste ist die Frühlingsmaus, die lässt den Regen lachen.
Als Maler hat die Sommermaus die Blumen bunt zu machen.
Die Herbstmaus schickt mit Nuss und Weizen schöne Grüße.
Pantoffeln braucht die Wintermaus für ihre kalten Füße.
Frühling, Sommer, Herbst und Winter sind vier Jahreszeiten.
Keine weniger und keine mehr. Vier verschiedene Fröhlichkeiten."


Als Frederick aufgehört hatte, klatschten alle und riefen: "Frederick, du bist ja ein Dichter!"
Frederick wurde rot, verbeugte sich und sagte bescheiden:
"Ich weiß es - ihr lieben Mäusegesichter."

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Es gibt viele Menschen in unserer Gesellschaft, die am Rande stehen.
Nicht gesehen.
Nicht gewollt.

Wir fragen uns, was kann ich tun? -
und sagen uns, Ich kann nichts tun!
Wir denken wir wären nur der Tropfen auf dem heißen Stein.
Na und?!
Wer sagt denn, dass dieser Tropfen nicht auch wohltuend sein kann???
Ich sage das nicht.
Ich will das nicht sagen.
Und Du?

Merke: Es bedarf nicht viel, den Alltag der Menschen mit Farbe zu füllen.

1 Kommentar:

  1. ich danke dir. für diese worte. das ist es, was ich erreichen will. und dass es klappt - ein riesiges kompliment.
    liebst, L.

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