Mittwoch, 4. Mai 2011

Zum Kreuz

Für A.

Ihr Weg ist schwer,
anstrengend fühlt sich der lange Marsch an.
Weit entfernt und doch nicht unerreichbar, erkennbar für sie, die Silhouette des Kreuzes.
Niedergedrückt von all den zerplatzten Illusionen.
Immer weiter entschlossenen Trittes.
Wie endlos lange währte doch all der Trug, die Selbstlüge, das Verschweigen.
Den Blick gerichtet auf den Berg, wo im Nebel das Kreuz steht.
Wo sind all ihre Träume geblieben? All ihre Hoffnungen?
Woher kommt der Schmerz, all die Angst?

Irgendwer sagte gehe zu dem Kreuz. Wer?
Weiter vorwärts, Schritt für Schritt.
Was ist geschehen? Verletzt und verwundet. Wie mit dem Messer durch das eigene Herz.
Ihre Seele schreit, und trotzdem ist sie fähig selber auch andere zu verletzen und zu verwunden.
Ihre Tränen lassen sie spüren, das noch etwas lebt.
Sehnsucht nach dem was man über das Kreuz sagt.
Hoffnungsträger, Lebensgeber.
Wo ist die Luft? Was schnürt ihren Atem? Raus aus den Scherben des Luftschlosses.
Näher noch zum Kreuz.

Das Kreuz thront auf der Spitze des Berges. Als ob es ruft: Sieg!
Klare Worte sind zu hören: "Es ist vollbracht!"
Angekommen an dem Kreuz. Der Himmel ist grau.
Sie sieht in das Gesicht des Mannes der dort hängt. Er weint.
Doch seine Tränen, sind Tränen der Liebe.
All der Schmerz, all die Angst werden benetzt mit diesen Tränen.
Können Tränen Tränen wegwischen?
Ist es naiv zu glauben?
Und die Alternative?

Sie traut sich es kaum zu wagen, hochzusehen in die Augen des Mannes der dort hängt.
Abgehalten von der eigenen Scham.
Dann aber, wie als ob Er sie bittet, sich aufzurichten.
Wie ist das möglich? Ist sie in der Lage gerade zu stehen?
Dann das Flüstern: "Du kannst stehen! Du hast erkannt, geglaubt, gehofft.
Jetzt bist Du hier. Frei von aller Schuld. Genau dafür hänge ich hier."

Dem Schmerz ist der Schmerz genommen. Wunden werden heil.
Angekommen unter dem Kreuz.
Wieder ist es zu hören: "Es ist vollbracht."

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