Donnerstag, 23. Juni 2011

Die Sache mit dem Welt verändern und andere Kleinigkeiten

Die vergangenen drei Tage, haben mir (wie sollte es auch anders sein) mal wieder genügend Anlass gegeben, nachzudenken.

Am Montag haben wir am Bibs in unseren Schwerpunkt-Gruppen zusammengesessen und das Praktikum reflektiert.
Für alle die es noch nicht wissen, mein Schwerpunkt ist die Soziale Arbeit im gemeindepädagogischen Kontext. In diesem Fach denken wir darüber nach, wie in Gemeinden, diakonisches Handeln verinnerlicht und umgesetzt werden kann. Diakonie ist ein Auftrag, der der Nächstenliebe entspringt, und dem man sich nicht entziehen kann, wenn man von sich selber behauptet, andere Menschen zu sehen. Die Diakonie meint den Dienst an meinem Nächsten.
An dieser Stelle muss ich auch mal betonen, dass ich meinen beiden Dozenten sehr dankbar dafür bin, dass sie uns Studierenden, das letzte Jahr mit unglaublich viel Leidenschaft und Emphathie autentisch vorgelebt haben, dass man Ungerechtigkeit nicht hinnehmen muss! An diesem Punkt, zwei für mich sehr inspirierende Persönlichkeiten! Vielen Dank dafür!

Zurück zu Montag, zurück zur Reflexion. Ich bin am Staunen, wie viele Menschen doch jeden Tag aufs neue die Welt verändern, ohne dass sie sich dessen bewusst sind.

Da ist einer, der in Paraguay aus riesigen Säcken mit Mehl, Zucker etc. viele kleine Tüten zusammengepackt hat, die an Bedürftige weitergegeben wurde. Sein Kommentar im Rückblick dazu: ...man merkt, dass man mit so kleinen, einfachen Dingen (wie Tütenappacken) dazu beiträgt, dass eine Sache Bedeutung gewinnt.
Er hat den Sinn in seiner doch sehr stumpfsinnig scheinenden Arbeit gesehen. Was für eine Gabe, wenn man dazu in der Lage ist.

Ein anderer hat sich nicht von äußerlich "staubigen" Ansichten erschrecken lassen. Er ist in einer veralterten kleinen Dorfkirche gelandet und hat völlig unabsichtlich, oder vielleicht doch beabsichtigt, das Gebetsleben der Senioren in Schwung gebracht. So sehr wir auch bei seinen Ausführungen lachen mussten, so bemerkenswert ist das auch, ihn dabei zu erleben, wie er darum gerungen hat, das Gebet zu etwas Lebendigem werden zu lassen. Die alten Menschen werden ihn sicher nicht so schnell vergessen.
Es reicht, wenn sie dazu nur halb so bewegt sind, wie ich es wärend seiner Geschichte war.

Unglaublich auch das Vertrauen der Mädels, die irgendwo in einer fremden Stadt (mal Paris, mal Hildesheim) ankommen und nicht wissen wohin. Das Gefühl auf der Straße zu stehen, hat sie nicht gleich zum Umdrehen gebracht, sondern ihnen im Nachhinein gezeigt, wie beschenkt sie Dank ihres Vertrauens wurden. Beide hatten doch ganz schnell eine tolle Unterkunft und liebe Menschen um sich rum. So konnten sie sich dann den Menschen widmen, für die sie dort waren: Die Obdachlosen der Pariser Straßen und den sozial-vernachlässigten Kindern Hildesheims...

Und und und... Viele Menschen, viele Geschichten, viele Begegnungen. Wir alle durften lernen, wir alle durften weitergeben. Wie begnadet wir sind, unseren Horizont erweitern zu dürfen und einem vielleicht bequemeren, aber dafür sinnloserem Leben den Rücken zu zeigen.

Ja, es ist schwer.
Ja, es kostet Kraft und ich komme an meine Grenzen.
Und oh ja, ich brauche Mut...und zwar was für welchen!

Aber soll ich mich deshalb etwa abfinden???

Nein, ich will micht nicht auf den Hintern setzten und mein Leben mit einem "Um-mich-selber-drehen" zusammenbauen. Ich will es bauen lassen, genau davon: Von den Menschen, die mir jeden Tag, an jedem Ort begegnen.

Genau so und nicht anders, wird aus den vielen anderen Kleinigkeiten, die Sache mit dem Welt verändern :-)

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